Ego State Therapie

Die Ego-State-Therapie ist als hoch effizient therapeutische Methode bekannt. Diese Therapieform wurde ursprünglich von John und Helen Watkins entwickelt. Sie ist von ihrem Ursprung her eine traumaspezifische Methode, die heilsame bzw. selbstregulative Prozeße im Klienten anregen soll.

Im Zentrum steht therapeutisch mitfühlende Arbeit gemeinsam mit dem Klienten, Orientierung an seinen Ressourcen und Stärken. Herzstück ist das Konzept eines "heilen Kerns". Diesen gilt es wahrzunehmen, zu fühlen und als Kraft zu nutzen. Diese psychologische Technik geht von einem Theoriekonzept aus, das annimmt, daß Menschen nicht aus einem homogenen Ganzen bestehen, sondern aus verschiedenen Anteilen (Ego-States).

Diese Ego-States kann man sich auch als Persönlichkeitsanteile oder verschiedene Ich-Zustände vorstellen, wobei jedem dieser Teile seine eigenen Gefühle und Fähigkeiten, Denkmuster, Macht- und Ohnmachtsgefühle zugeschrieben wird. Wir können uns durch verschiedene dieser Ego-States oder Persönlichkeitsanteile (Persönlichkeitszüge) bereichert fühlen, sie im Alltag als kräftigend und nützlich empfinden, aber uns auch durch sie verunsichert, ängstlich, niedergeschlagen fühlen. In dieser Therapieform wird das "Ich" bzw. die Kernpersönlichkeit des Menschen als "Kern-Ich" betrachtet, sodass wir uns in unserer Kernpersönlichkeit immer gefestigt fühlen, egal in welchem Ich-Zustand (glücklich, traurig, kritisch denkend, freudig, verzweifelt) wir uns im Moment befinden. Wenn mehrere Ego-States (Persönlichkeitsanteile bzw. innere Stimmen) untereinander in Konflikt stehen, wird aus unserem Energiesystem, das grundsätzlich nach innerem Einklang strebt, Energie abgezogen, denn es ist auf seelische Harmonie ausgerichtet.

Wichtig ist es, daß wir unsere Ego-States wahrzunehmen lernen und mit ihnen in engerem Kontakt kommen. Dies geschieht durch Achtsamkeit auf die seelischen Vorgänge. Ein weiterer Schritt ist es, in der Therapie die Ego-States zu verstehen und zu würdigen. Ferner ist Ziel, sie untereinander bzw. aufeinander abstimmen.

Der Prozeß der Therapie bezieht sich darauf, hilfreiche Wege zu suchen, um unsere inneren Anteile, die durch Lebenserfahrungen entstanden sind, manche früher und andere später im Leben - kennenzulernen und wertzuschätzen. Diese Persönlichkeitsanteile sind zu würdigen und auch wenn möglich auf kreative Weise miteinander in Kontakt zu bringen. Ziel ist demnach, die einzelnen Ego-States in die Persönlichkeit Schritt für Schritt zu integrieren, damit unsere inneren Anteile in Zukunft gut zusammenarbeiten und sich gegenseitig bei guten Lösungswegen unterstützen.

Die Ego-State Therapie kann gemeinsam mit hypnotherapeutischen Methoden angewendet werden, um die seelische Wahrnehmung nach innen zu unterstützen. Die Ego-State-Therapie wird in der psychologischen Behandlung methodenübergreifend angewendet, je nachdem welche heilsamen Wege sich in der Imagination ergeben. Die therapeutische Arbeit folgt dem Ziel, die Fähigkeiten bzw. Ressourcen des Klienten zu finden und zu fördern, diese in Richtung Problemlösungen und Wohlbefinden zu mobilisieren bzw. den Klienten in seiner positiven Entwicklung zu unterstützen, genauso, wie dies seinen Bedürfnissen entspricht, die zu Beginn und im Verlauf der psychologischen Therapie erkundet bzw. gemeinsam erarbeitet werden.

Für den Klienten können auch Erfahrungen, wie achtsame und positive Selbstzuwendung jene Elemente aus der Therapie sein, die er in den Lebensalltag als Ressource aktiv anwenden kann, um umso mehr gute Momente zu erleben.