Essstörungen

Anorexie und Bulimie

...wenn alle Gedanken nur mehr um das Abnehmen kreisen,
und sich Aushungern und Fressanfälle abwechseln,
sonst ist Leere um mich herum,
sonst ist nichts wirklich wichtig."

Die zwei Ess-Störungen "anorexia nervosa" und "bulimia nervosa" treten häufig nacheinander beim gleichen Menschen auf, oft tritt eine Bulimie Monate oder Jahre nach einer Anorexie auf. Unter dieser Störung leiden etwa 10mal mehr Frauen als Männer. Meistens suchen Menschen mit Ess-Störungen einen Arzt oder Psychologen erst nach Leiden an einer Gesundheitsschädigung auf. Eine Anorexie beginnt meistens im Jugendalter, in der Pubertät oder in der Tennagerzeit und kann viele Jahre andauern.

Eine Anorexie beginnt fast immer mit dem Wunsch abzunehmen. Das Schönheitsideal wird über Medien transportiert und ist das Schlanksein bei den heranwachsenden Mädchen wichtig geworden. Oft sind gesellschaftliche Ideale trügerisch und streben vor allem pubertierende Mädchen in unserer westlichen Kultur eine "gertenschlanke" Figur an, wie sie auf Plakatwänden und in Illustrierten präsentiert wird. Fast 30% späterer Anorexiepatientinnen waren tatsächlich übergewichtig, bevor sie, wie auch alle anderen Anorexiepatientinnen mit Diätkuren begannen. Zum Unterschied von anderen Menschen, die eine Diät durchführen, können Anorektikerinnen mit Ihrer Diät aber nicht mehr aufhören, obwohl sie das Wunschgewicht schon erreicht haben. Sie hungern weiter und weiter. Anorektische Patienten treiben zusätzlich viel Sport und es findet auch sehr oft ein Mißbrauch von Abführmitteln oder "Schlankmachern" statt.

Symptome einer Anorexie (Magersucht)

  • Quälende Angst, dick zu werden
  • Minimale Nahrungsaufnahme (Kalorienzählen)
  • Magerkeit durch hochgradigen Gewichtsverlust
  • Exzessives Sporttreiben
  • Aussetzen der Menstruation
  • Körperbeschaffenheit ändert sich

Symptome einer Bulimie

  • Quälende Angst, dick zu werden
  • Fressanfälle - Erbrechen - Schuldgefühle
  • Normales Körpergewicht
  • Regulationsversuche der Gewichtskontrolle durch Erbrechen und/oder Abführmittelmißbrauch
  • Unregelmäßige Menstruationsbutung
  • Zwang zur Selbstkontrolle

Bulimiepatienten halten trotz Erbrechen und Mißbrauch von Abführmitteln ihr Gewicht noch im Normbereich, da bei den sogenannten Fressanfällen eine Übermenge von hochkalorischen Nahrungsmitteln eingenommen wird.

Die Ursachen für die Entstehung dieser beiden Ess-Störungen sind vielfältig:

  • der gesellschaftliche Druck hinsichtlich des Schlankheitsideals
  • die zwanghafte Selbstkontrolle, d.h. das Gefühl von Erfolg, etwas, nämlich das Körpergewicht selbst kontrollieren zu können. der Versuch, den Reifungsprozess, insbesonderrs die körperliche Reife aufhalten oder aufschieben zu wollen
  • der Versuch, über Essensverweigerung Aufmerksamkeit von der Familie zu erlangen und das Gefühl über Essensverweigerung einen Einfluss auf das Familiensystem erlangen zu können
  • in einigen Fällen wurde eine Ess-Störung durch eine seelische Erschütterung ausgelöst, z.B. durch den Verlust einer Liebesbeziehung oder auch durch ein anderes kritisches Lebensereignis (Übersiedlung, Schulwechsel...)

Anorexie- als auch Bulimiepatienten bedürfen intensiver medizinischer und klinisch-psychologischer Diagnostik und Behandlung, insbesonders nicht letztlich deshalb, da diese Erkrankungen lebensgefährlich sein können, da das körperliche Gleichgewicht massiv beeinträchtigt wird.

Ein lebensbedrohliches Untergewicht der Anorexiepatienten einerseits und eine lebensbedrohliche Störung des Wasser- Salzhaushaltes, die zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen und letztlich bishin zu irreversiblen Nierenschädigungen führen können der Bulimiepatienten, machen es notwendig, nicht abzuwarten, sonder das Problem zu erkennen und rücksichtsvoll mit Offenheit den Betroffenen gegenüber fachkundige Hilfe einzuholen.

Je früher eine Anorexie oder Bulimie erkannt und behandelt wird, desto leichter ist es, dem Betroffenen zu helfen.

Mögliche Folgen an Gesundheitsschädigung durch AUSHUNGERN

  • Depressive Verstimmung
  • Schlafstörungen, v.a. Durchschlafstörungen
  • Verstopfung, da zumeist zuwenig Ballastoffe aufgenommen werden
  • Konzentrationsstörungen und Leistungsabfall in der Schule/Arbeit
  • Kälteempfindlichkeit
  • Vermehrt Karies und Zahnausfall
  • Spröde Knochen, die leicht brechen
  • Mattigkeit, Muskelschwäche
  • Tod

Mögliche Folgen von ERBRECHEN

  • Nierenschädigungen durch Salzverlust
  • Muskelschwäche, Mattigkeit durch Salzverlust
  • Aufgedunsenes Gesicht aufgrund der geschwollenen Speicheldrüsen
  • Epileptische Anfälle durch Veränderungen des Flüssigkeits- und Salzhaushaltes des Körpers
  • Karies, da die Magensäure den Zahnschmelz angreift
  • Unregelmäßiger Herzschlag

Mögliche Folgen des ABFÜHRMITTELMISSBRAUCHES

  • Störung der Darmmuskulatur, die zu chronischer Verstopfung führen kann
  • Geschwollene Finger
  • Häufige Magenschmerzen

In der Diagnostik wird das Essverhalten und die Körperbezogenheit abgeklärt, weiters die Familiendynamik, aber vor allem die Bedürfnisse, Wünsche und Probleme des Betroffenen. In der Behandlung von Menschen mit Ess-Störungen ist medizinische Begleitung sehr oft vorraussetzung und sehr wichtig. Ziel der psychologischen Behandlung ist es die Krankheitseinsicht und Veränderungsbereitschaft zu fördern sowie normales Essverhalten zu entwickeln. Ein weiteres Ziel ist die Bearbeitung der Körperwahrnehmung und die Erhöhung der Kontrolle über die Umwelt im Sinne einer Steigerung der Selbstwirksamkeit.