Zwangserkrankungen

Jeder Mensch hat gewisse Gewohnheiten, die zwar das Leben nicht erleichtern, aber manchmal sogar das Besondere an einem Menschen ausmachen.

Wenn jedoch gewisse Gewohnheiten, also bestimmte Gedanken und/oder Verhaltensweisen für den Betroffenen nicht mehr kontrollierbar sind, zum Zwang und unerträglich geworden sind, die Lebensqualität somit stark beeinträchtigt ist, spricht man von einer Zwangskrankheit.

Die Betroffenen spüren zum Beispiel einen inneren Zwang, bestimmte Gedanken häufig wiederholt zu denken und/oder bestimmte Handlungen häufig wiederholt auszuführen. Obwohl sich die Betroffenen bewusst sind, dass weder Logik noch Sinnhaftigkeit in den Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen zu finden ist, ist es ihnen nur sehr schwer, aber auch manchmal gar nicht möglich, die Häufigkeit des Zwangserlebens zu stoppen.

Zu den häufigsten Zwangsgedanken zählen zwanghafte Angst vor Ansteckung mit einer Krankheit, zwanghafte Vorstellungen von Unfällen und Katastrophen sowie das erleben zwanghafter Impulse, etwas Gefährliches zu tun und gleichzeitig Angst davor, die Kontrolle über die Impulse zu verlieren. Aber auch zwanghaftes Zweifeln an der ohnedies bereits gelungenen Durchführung einer vorangehenden Handlung gehören zu den wiederkehrenden zweifelnden Zwangsgedanken, die die Betroffenen quälen können. Im Zuge einer Zwangskrankheit kann es auch zu körperlichen Krankheiten, wie etwa Hautkrankheiten bei Waschzwängen, Herz-Kreislaufbeschwerden oder Magen-Darmkrankheiten kommen.

Bei Menschen, die an einer Zwangsproblematik leiden, finden sich oft weitere seelische Probleme, wie die Angst vor sozialer Ablehnung, Hoffnungslosigkeit, Entscheidungsunsicherheit, verschiedene Ängste und manchmal auch eine depressive Erkrankung.

Zu den häufigsten Zwangshandlungen gehören Waschzwänge (z.B. extrem häufiges Händewaschen), Kontrollzwänge (z.B. die Kontrolle, ob elektrische Geräte abgeschalten sind oder Türen zugesperrt sind), Zwänge zum Ordnunghalten und Putzen oder Zwänge zum Sammeln von unbrauchbaren Gegenständen.

Da viele Menschen ihre Zwänge verheimlichen und erst nach vielen Jahren professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, ist ihre Leidensgeschichte entsprechend lange. Bekannt ist, dass etwa 2-3 % aller Menschen einmal in ihrem Leben eine Zwangserkrankung durchmachen, dies allerdings mit unterschiedlichem Krankheitsverlauf. Grundsätzlich kann aber eine Zwangskrankheit jeden von uns treffen.

Die besten Erfahrungen in der Krankheitsheilung wurden in einer Kombination von ärztlicher Behandlung (medikamentöse Therapie) und psychologischer Behandlung (Verhaltenstherapie) gemacht.